Änderung der TRGS 900: Neue arbeitsmedizinische Erkenntnisse

Änderung der TRGS 900: Reduzierung bestehender und Bekanntmachung neuer Arbeitsplatzgrenzwerte für Kohlenwasserstoffgemische

Die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) geben den jeweiligen Stand der Technik bzw. die wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene wieder. Sie umfassen die vom Ausschuss für Gefahrstoffe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beschlossenen Regeln sowie auch Regelungen aus EU-Vorschriften. Die TRGS unterstützen insoweit den Arbeitgeber bei der Bewertung der im Unternehmen vorhandenen Arbeitsplätze im Hinblick auf mögliche Gefährdungen.

Für Arbeitsplätze, bei denen eine Gefährdung durch das Einatmen von Stoffen mit einem in der TRGS 900 aufgelisteten Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) vorhanden ist, muss die Gefährdung vom Arbeitgeber überwacht werden und Schutzmaßnahmen festgelegt werden. Der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) gibt an, bei welcher Konzentration eines Stoffes akute oder chronische schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit im Allgemeinen nicht zu erwarten sind.

Änderung der TRGS 900: Im September 2017 geändert und damit an neue toxikologisch-arbeitsmedizinische Erkenntnisse angepasst. In diesem Zusammenhang wurde die Liste 3 „Arbeitsplatzgrenzwerte und Kurzzeitwerte“ der TRGS 900 durch Neuaufnahmen und Änderungen ergänzt. Darüber hinaus wurde Nr. 2.9 „Anwendung und Geltungsbereich der Arbeitsplatzgrenzwerte für Kohlenwasserstoff-Gemische“ überarbeitet und es wurden neue Gruppengrenzwerte für drei RCP-Gruppen, je nach Anzahl der C-Atome, festgelegt:

C6-C8-Aliphaten: 700mg/m³ (vorher C5-C8: 1500 mg/m³)

C9-C14-Aliphaten: 300 mg/m³ (vorher C9-C15: 600 mg/m³)

C9-C14-Aromaten: 50 mg/m³ (vorher C9-C15 100 mg/m3 bzw. C7-C8-Aromaten: 200mg/m³)

 

Zur Überprüfung, ob die Belastung am Arbeitsplatz durch verwendete Kohlenwasserstoff-Gemische auch bei unterschiedlicher Zusammensetzung zulässig ist, muss der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) mit Hilfe der RCP-Methode berechnet werden. Hierbei ist zu beachten, dass bei KW-Gemischen, deren Einzelstoffe in den Anwendungsbereich von RCP fallen, nicht der stoffspezifische AGW des Einzelstoffes zu berücksichtigen ist (Ausnahme: n-Hexan, Decalin) sondern der Gruppengrenzwert. Dies ist vom Hersteller oder Lieferanten auf dem SDB des Produktes anzugeben oder vom Verwender bei eigener Mischung selbst zu ermitteln. Basis hierfür sind der Grenzwert und der Anteil in der Mischung. Hilfestellung bieten hierzu Abschnitt 8 der Sicherheitsdatenblätter sowie der Online-Rechner des IFA / DGUV. Nach der Änderung der TRGS 900 sollten Lieferanten und Hersteller die Berechnung der AGW für einzelne KW-Gemische gemäß Nr. 2.9 Abs. 3 TRGS 900 überprüfen, da sowohl einige Stoffe und AGW in der Liste 3 der TRGS 900 über AGW und Kurzzeitwerte hinzugefügt und geändert wurden als auch der Anwendungsbereich geringfügig auf C6 – C14-Gemische eingegrenzt wurde (vorher C5 – C15). Zudem wurden die AGW deutlich reduziert. Auch wurde festgelegt, wenn keine Aussage zu dem Kohlenwasserstoffgemisch getroffen wurde, der AGW von Decalin (29 mg/m³) heranzuziehen ist.

Es ist daher vom Arbeitgeber zu prüfen, ob nach der Neubestimmung der AGW und Prüfung auf Einhaltung der Gruppengrenzwerte möglicherweise eine Anpassung der einschlägigen Gefährdungsbeurteilungen erforderlich wird. Hierbei sollten auch weitere Neuaufnahmen und Änderungen von AGW, wie z.B. Dieselmotoremissionen beachtet werden.

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26.10.2017

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